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Herz-Jesu-Verehrung
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Obwohl den meisten die Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu ein Begriff ist und jeder von uns KJBlern wohl schon einmal von der hl. Margaretha Maria Alacoque gehört hat, ist vielleicht vielen doch nicht so ganz deren Bedeutung gerade für unsere Zeit und nicht zuletzt für unsere KJB vollkommen bewusst.
„Ihr aber Geliebte, baut Euch auf in Eurem hochheiligen Glauben, betet im Hl. Geiste! Bewahrt Euch in der Liebe Gottes und harrt auf das Erbarmen unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben!“
Mit diesen eindringlichen Worten schließt der hl. Judas Thaddäus seinen Brief, in dem er unter anderem besonders auf das Verharren in der Liebe Gottes verweist. Der Evangelist Matthäus (22,37–40) bezeichnet die Liebe zu Gott und zum Nächsten als das größte Gebot, an dem das Gesetz und die Propheten hängen:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, aus deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und deinem ganzen Denken. […] Das zweite ist diesem gleich: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Es ist also unsere größte Pflicht, unsere größte Aufgabe, als junge Katholiken in der Liebe Gottes zu wachsen, zunächst gegenüber Gott, dann aber auch gegenüber dem Nächsten, vor allem aber denen gegenüber, die „uns nahe stehen im Glauben“ (Gal 6,10) – also unsere Eltern, Geschwister, aber auch unsere Mitchristen in der KJB, die Gläubigen im Priorat oder in der Kapelle …
Dieses Gebot ist vielleicht jedem irgendwie bewusst. Aber wie sieht es mit der praktischen Umsetzung aus? Wie oft erfahren wir in unseren Prioraten, Kapellen, in der KJB, dass es gerade an dieser Liebe mangelt? Wie oft ertappen auch wir uns, dass wir schlecht von gerade jenen Leuten denken oder reden, die uns eigentlich am nächsten stehen sollten? Was kann man dagegen tun? Wie kann man diese wahrhaft göttliche Liebe erwerben, von wem kann man sie erlernen?
Der wohl beste Lehrmeister ist unser Heiland selbst, der sogar sein Leben aus Liebe zu uns hingegeben hat. Das Zentrum seiner Liebe bildet sein Heiligstes Herz. Denn genauso wie das Herz das Symbol für das Innerste im Menschen ist, welches ihn trägt und am Leben hält, genauso zeigt sich in der Verehrung des Herzens Jesu seine Liebe zu uns am deutlichsten. Diese Liebe müssen wir kennenlernen und nachbilden, um dem Ruf der Nachfolge Christi immer vollkommener gerecht zu werden. Gott hat uns ganz klar den Auftrag gegeben, nach Vollkommenheit zu streben. „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!“ Vollkommenheit bedeutet aber einen möglichst hohen Grad in der Gottesliebe zu erreichen, und nirgendwo können wir diese mehr finden als im Heiligsten Herzen Jesu.
Die Herz-Jesu-Andacht ist die Andacht der Liebe, Anbetung, Nachahmung, sie ist ein vortreffliches Mittel, unsere Liebe zu Gott zu vermehren, um zu einer größeren Vollkommenheit zu gelangen.
Gerade im geschichtlichen Kontext zeigt sich die große Macht, die von der gelebten Herz-Jesu-Verehrung ausgeht, sehr deutlich – ebenso aber auch die Folgen, die mit der Vernachlässigung und dem daraus resultierenden Erkalten der Herzen bei den Christen einhergehen. Interessant ist, dass diese Verehrung immer dann wieder aufflammte, wenn die Christenheit in Kälte und Nachlässigkeit abzusinken drohte (man denke an den hl. Franz von Assisi); oder wie sie der Himmel als hilfreiches Mittel zur Erlangung des Sieges über die Feinde bekräftigte (besonders durch die hl. Margaretha Maria Alacoque).
Die Herz-Jesu-Verehrung ist im Mittelalter entstanden und zeigte sich zunächst in großen Heiligen und begnadeten Ordensleuten, wie dem hl. Bernhard von Clairvaux, der hl. Mechthild von Magdeburg, der hl. Mechthild von Hackeborn, der hl. Gertrud der Großen sowie dem hl. Franz von Assisi. Zunächst war sie vor allem der Ausdruck der Gottesliebe von Einzelpersonen, erst später, besonders im 16. Jahrhundert diente sie als Impuls für das apostolische Wirken. Die Jesuiten (1534 gegründet) wählten die Herz-Jesu-Mission zum Mittelpunkt ihrer Missionstätigkeit und ihrer großen Bekehrungsaufgabe im Zuge der Gegenreformation.
Den Höhepunkt erreichte die Verehrung durch die Offenbarungen des Heilandes an die hl. Margaretha Maria Alacoque (1647–1690), zu einer Zeit, als der strenge Jansenismus, eine Art liebloser Rigorismus, besonders in Frankreich verbreitet war. Die Heilige, welche sich besonders durch ihre Liebe und Andacht zur Muttergottes und ihre Abneigung gegen jede Halbheit und Nachlässigkeit im Dienste Gottes auszeichnete, empfing nach schweren Prüfungen vom Herrn die Gnade seiner Visionen, bei denen besonders der Gedanke der Gegenliebe und der Sühne hervortrat. Am 27. Dezember 1673 erschien ihr Jesus in der 1. Sendungsvision, nahm das Herz der Heiligen in das Seine, dem Feuerofen der Liebe, und gab es ihr dann wieder zurück. Es folgten weitere Visionen, bei denen der Heiland die häufige Kommunion verlangte, insbesondere an Monatsfreitagen, die Einführung des Herz-Jesu-Festes als Sühne für die Sünden sowie die Gnade der Verheißung der 9 Monatsfreitage offenbarte.
„Ich verspreche dir in der übergroßen Barmherzigkeit Meines Herzens, dass Meine allmächtige Liebe allen jenen, die neun Monate nacheinander am ersten Freitag kommunizieren, die Gnade eines bußfertigen Endes gewähren wird, dass sie nicht in Meiner Ungnade und ohne Sakramente sterben werden. Denn Mein göttliches Herz wird im letzten Augenblick ihre Zufluchtsstätte sein.“
Des Weiteren gab der Heiland 12 Verheißungen für all jene, die sich der Verehrung Seines göttlichen Herzens weihen:
1. „Ich werde ihnen alle in ihrem Stande notwendigen Gnaden geben!
2. Ich werde ihren Familien den Frieden schenken!
3. Ich werde sie in allen ihren Kreuzen trösten!
4. Ich werde ihre sichere Zufluchtsstätte in ihrem Leben und besonders in ihrer Sterbestunde sein!
5. Ich werde sie in ihren Unternehmungen segnen!
6. Die Sünder werden in Meinem Herzen die Quelle und ein unendliches Meer der Barmherzigkeit finden!
7. Die lauen Seelen werden die Gnade des Eifers im Guten empfangen!
8. Die eifrigen Seelen werden sich sehr schnell zu einer großen Vollkommenheit erheben!
9. Die Priester werden die Gaben erhalten, auch die verhärtetsten Herzen zu rühren!
10. Ich werde die Häuser segnen, in denen das Bild Meines Heiligsten Herzens aufgestellt und verehrt wird.
11. Die Namen derjenigen, die diese Verehrung zu verbreiten suchen, werden in Meinem Herzen eingeschrieben sein und nie wieder gelöscht werden!
12. Ich werde Meinen Gnaden kein Maß und keine Grenzen setzen für alle, die sie in Meinem Herzen suchen!“
Die letzte Vision erfolgte am 17. Juni 1689 und bezog sich auf die kürzlich erfolgte und durch viel Gebet erflehte Geburt des Thronfolgers Ludwig XIV.
„Lass Ludwig um mein Heiligstes Herz wissen, und genauso wie seine zeitliche Geburt durch die Andacht zu Meiner heiligsten Kindheit erfolgte, so wird er seine Geburt in die Gnade und ewige Glorie durch seine Weihe an mein Heiligstes Herz erhalten. Es möchte über ihn triumphieren und durch ihn über die Herzen der Großen der Welt. Es soll in seinem Palast herrschen, auf seine Standarten gemalt werden und auf die Waffen eingraviert werden, sodass er siegreich über alle Feinde sein möge. Es möchte all die Stolzen und Hartherzigen erniedrigen und ihn triumphieren lassen über alle Feinde der heiligen Kirche.“¹
Allerdings kamen weder Ludwig noch seine Nachfolger diesem göttlichen Wunsche nach. So kam es am 17. Juni 1789, also genau 100 Jahre nach den Visionen der hl. Margaretha, in der Nationalversammlung zur Erklärung der Volkssouveränität, was die Abschaffung der Monarchie sowie den Ausbruch der Französischen Revolution zur Folge hatte. Es triumphierte also nicht das Heiligste Herz Jesu, sondern die Schreckensherrschaft eines Robespierre, die mit Verbitterung versuchte, Frankreich durch Enthauptung mit der Guillotine seiner christlichen Tradition zu berauben. War dies alles ein bloßer Zufall? – Wohl kaum, denn bei Gott gibt es keinen Zufall.
In einem ähnlichen Licht kann auch das Schicksal des Jesuitenordens gesehen werden. Dieser Orden, welcher während der Gegenreformation so ausgezeichnet für die Sache Gottes gewirkt hatte, war speziell mit der Verbreitung der Herz-Jesu-Verehrung betraut worden und stellte die Beichtväter der Könige von Frankreich. Allerdings waren die Jesuiten in der von Gott geforderten eifrigen Verbreitung der Herz-Jesu-Verehrung nachlässig geworden und unterließen es, die Könige zu der Weihe an das Heiligste Herz zu drängen. 1773 kam es schließlich zur Auflösung des Ordens.
Deutlich sehen wir, welch verheerende Folgen die Nichtbeachtung dieses göttlichen Wunsches nach sich zog. Es kann sicher als himmlische Strafe für die Hartherzigkeit, Kälte, Lauheit und Gleichgültigkeit der Menschen interpretiert werden, die dem himmlischen Wunsch auf Gegenliebe, Sühne und Buße nur so halbherzig nachgekommen sind.
Der Heiland sagte einmal zur hl. Margaretha: „Schau auf dieses Herz, das die Menschen so viel geliebt hat, selbst bis zu Leiden und Tod, um ihnen seine Liebe zu zeigen. Als Gegenzug erhalte ich nichts als Undankbarkeit, Unehrerbietigkeit, Sakrilegien sowie Kälte und Verachtung, welche sie mir in diesem Sakrament der Liebe entgegenbringen.“
Müssen wir uns bei diesen Worten nicht selber an die Brust klopfen und sagen: „Mein Jesus Barmherzigkeit“? Wie viel Kälte verbreiten wir durch unsere mangelnde Nächstenliebe, unseren Egoismus, unsere Trägheit und Inkonsequenz im Streben nach Fortschritt im religiösen Leben? Wie oft zeigen wir dem Heiland aus Angst und Menschenfurcht die kalte Schulter und verleugnen ihn vor unseren Freunden, unserer nächsten Umgebung?
Gehen wir mit vertrauensvollem Herzen zu unserem Heiland, suchen wir ihn in der Andacht zum Heiligsten Herzen, bitten wir ihn, dass er unser Herz umwandle, dass wir von seiner glühenden Liebe ergriffen werden. Mögen wir diese Liebe hinaustragen in unsere Familien, Priorate und Kapellen, besonders aber in unsere KJB. Vergessen wir nie, dass gerade die Liebe das Kennzeichen der Christen sein soll, eine Liebe, die in Gott gegründet ist.
Zu Beginn der Christenheit im 4. Jahrhundert stellte der Kaiser Julian der Abtrünnige (er war vom Christentum abgefallen und bekämpfte es) mit Erbitterung fest:
„das Christentum verdanke sein Wachstum hauptsächlich der Liebestätigkeit, der Fürsorge für die Toten und dem heiligen Lebenswandel seiner Bekenner“.
Mögen auch wir, entflammt durch die Herz-Jesu-Verehrung, Träger und Zeugen einer solchen Liebe sein, um in ihr den Aufbau einer neuen christlichen Gesellschaft zu begründen.
Quellen:
Moczar, Diane: Ten Dates Every Catholic Should Know. Manchester, New Hampshire (Sophia Institute Press) 2006
Pius XII., Haurietis Aquas. Enzyklika über die Vereh¬rung des Heiligsten Herzens Jesu, Rom, 15. Mai 1956, http://stjosef.at/dokumente/haurietis_aquas.htm.
Anmerkungen:
1 übersetzt und entnommen: Diane Moczar