Fulda-Wallfahrt

Veröffentlicht am: 08.09.2022|Kategorien: Aktuelles, Veranstaltung|Lesezeit: 3,2 min|

Bier – Berufung – Bonifatius

Das Bier ist kalt; Der Kronkorken zischt, der Balkonstuhl knarzt, das Wasser rauscht und gluckert in Hörweite. Wer hier an Urlaub denkt (und sei es nur auf Balkonien), der war offenbar nicht bei unserer Wallfahrt in Fulda dabei: Was so munter plätschert, sind in Wirklichkeit die Wassermassen einer Flutkatastrophe in Gesellschaft und Kirche!

Ja, Sturzfluten von Schmutz und Laster durchströmen die Straßen und Gassen und reißen mit sich, wer die Warnungen nicht hören wollte. Unten im Haus hat man die Gefahr schon erkannt und schleppt Sandsäcke, um einen Ruin des Hauses noch irgendwie zu verhindern. Wir auf dem Balkon hören zwar, dass man auch uns um Hilfe ruft. Aber wir sitzen weiter da, schließen die Augen und setzen das Bier an. Mmmh …

Was nach einem sonderbaren Alptraum klingt, ist leider Realität. Unser Distriktoberer stellte es in seiner Predigt schonungslos dar: Viel zu oft gleichen wir dem Bierchenzischer auf dem Balkon. Wir wissen, dass es eine Krise in Kirche und Vaterland gibt, aber wir ziehen es vor, uns abzulenken und gewissermaßen zu betäuben – während es längst an die Fundamente unserer Existenz geht. Unsere kleine Balkonidylle, unser Rückzugsort ist bald unbewohnbar, wenn wir nicht handeln! Und zwar mit Hingabe. Wo sind die zahlreichen jungen Männer, die ins Seminar strömen sollten, wo die vielen KJBlerinnen, die eine Berufung zur Ordensschwester prüfen? Wie oft unterziehen wir uns, nachdem uns die stinkenden Wasser umspülten, einer gründlichen Reinigung in Form von Exerzitien?

Nach dieser wachrüttelnden Predigt des Distriktoberen verfolgten die rund 600 Teilnehmer weiter das levitierte Hochamt, das auf der Fuldaaue im Freien zelebriert wurde; dann schlossen sie sich der Prozession durch die Innenstadt auf den Frauenberg hinauf an. Hier weihten einst die deutschen Bischöfe Deutschland dem Unbefleckten Herzen – wir erneuerten, soviel an uns liegt, die Weihe des gesamten deutschen Vaterlandes an das Herz Mariä. Die Kirche konnte die hohe Teilnehmerzahl kaum fassen!

Nachdem man sich in der schönen Fuldaer Innenstadt verköstigt hatte, strömten die KJBler in den Dom; wir beteten dort unter anderem am Grab des Hl. Bonifatius, unserem Landespatron. Gemeinsam ließen wir dann den Tag auf der Fuldaaue ausklingen. Sei auch du nächstes Jahr (wieder) in Fulda dabei – Hl. Bonifatius, bitte für uns!

Leon Wiese

– KJB Hattersheim –

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